TOMODACHI - FREUNDE
Seminar in Erinnerung an Allan Tattersall und Patrick Dimayuga
am 11. und 12. November 2017
in Bologna, Scuola Italiana Arti Marziali Aikido





Nur eine Woche nach Frankreich war Kyoshi Wolfgang Wimmer schon wieder auf Tour. Diesmal folgte er einer Einladung nach Italien ins Dojo von Hanshi Pietro Paterna. Nach einer rund siebenstündigen Autofahrt von Deutschland über Österreich erreichten Wolfgang und Catrin am Abend Bologna. Ein weiterer Referent, Tasshi Rudi Majcen (Slowenien), war mit seiner Gattin bereits angekommen. Pietro Paterna ließ es sich nicht nehmen, uns am Abend persönlich zu begrüßen und man tauschte beim gemeinsamen Abendessen die Neuigkeiten der letzten Tage aus, hatte man sich doch erst beim Lehrgang in Frankreich am vergangenen Wochenende gesehen.

Für den Samstagmorgen hatte sich Pietro etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Die Zeit bis Lehrgangsbeginn um 14 Uhr nutzte er gemeinsam mit seiner Frau Giuliana, für uns als Reiseführer zu fungieren. Mit sehr viel Liebe zu ihrer Stadt und großem Hintergrundwissen verstanden es beide, uns ihre Stadt Bologna noch näher zu bringen. Begeistert waren wir sowieso. Und wir hatten für unseren Stadtrundgang das perfekte Wetter, Sonne und 15 Grad.



Bologna ist eine italienische Universitätsstadt und Hauptstadt der Metropolitanstadt Bologna sowie der Region Emilia-Romagna mit 400.000 Einwohnern. In Italien ist die Großstadt die siebtgrößte Stadt. Wir schlenderten durch die Altstadt und staunten über die historischen und gut erhaltenen Gebäude und Palazzi. Die Geschichte der Stadt beginnt vermutlich als etruskische Gründung mit dem Namen Felsina im 6. Jahrhundert v. Chr., Spuren älterer dörflicher Siedlungen der Villanovakultur in der Gegend reichen bis ins 11./10. Jahrhundert v. Chr. zurück. Wahrzeichen der Stadt sind die zwei Türme, der „Torre Garisenda“ und der „Torre degli Asinelli“. Um 1300 erbaut, war letzterer mit seiner Höhe von 94,5 m damals wohl der höchste Profanbau Europas. Das besondere an diesen beiden Türmen ist auch der Umstand, dass der kleinere von beiden aufgrund Bodenbeschaffenheit bereits in das Erdreich gesunken ist und eine bedrohliche Schräglage eingenommen hat - 3 m soll er bereits gesunken sein. Er musste von oben etwas abgetragen werden, um einem drohenden Fall zu vermeiden. Die beiden Türme sind mit wenigen anderen die letzten überbleibsel von rund 180 Geschlechtertürmen des mittelalterlichen Bologna, die im 19. Jahrhundert zum Großteil geschleift wurden.



Als Zentrum der Stadt gilt die Piazza Maggiore mit dem Neptunbrunnen und der Basilika San Petronio. Diese gewaltige gotische Kirche (fünftgrößte der Welt) besitzt ein eindrucksvolles Inneres, dessen Mittelschiff 40 m hoch und 20 m breit ist. Ursprünglich als größte Kirche der Christenheit geplant, wurde der Bau, begonnen im Jahr 1390, aufgrund finanzieller Probleme bis zum heutigen Tage nicht vollendet. Dies ist eine Erklärung.... eine andere war (so Pietro) dass der damalige Papst den Weiterbau untersagt hat mit dem Hinweis, dass die grösste Kirche in Italien in Rom zu stehen hat. Im Innenraum befindet sich die Mittagslinie, 1655 eingerichtet nach Plänen des Astronomen Giovanni Domenico Cassini. In der Capella Bolognini des Domes befindet sich zudem eine beeindruckende Darstellung des Weltgerichts von Giovanni da Modena (um 1410). Der Maler des Freskos orientierte sich bei seiner Darstellung an Dantes Göttlicher Komödie und zeigt im Höllenkreis unter anderem den Propheten Mohammed, dem als Glaubensspalter von einem Teufel der Körper aufgeschlitzt wird (DC Inf. XXVIII). Die Kathedrale „San Pietro“ mit der Pietà von Alfonso Lombardi befindet sich an der Via Indipendenza.

Die älteste Kirche Bolognas, die Basilica di Santo Stefano, befindet sich in einem heute noch genutzten Klosterkomplex im historischen Zentrum der Stadt. Die Anlage, bestehend aus 7 Kirchen, verfügt über einen byzantinischen Rundbau sowie über typische romanische Kreuzgänge.

Bekannt ist Bologna außerdem für seine Arkaden. Sie erstrecken sich über 38 km und wurden ursprünglich geschaffen, um der wachsenden Bevölkerung der Stadt gerecht zu werden. Der Bau der Arkaden ermöglichte es, die oberen Stockwerke auszubauen und so neuen Wohnraum zu schaffen ohne den Handel und den Durchgangsbetrieb zu stark zu beeinträchtigen.

Pietro führte uns durch eine der Arkaden in einen Innenhof mit einem, wie er es nannte, perfekten Rundbogen. Dieser wurde architektonisch so geschaffen, dass man, unter diesem stehend, jeweils an den Pfeilern der hier gegenüberliegenden Ecken selbst das leise gesprochene Wort des jeweils in der anderen Ecke stehenden Person deutlich vernehmen konnte - eine moderne Kommunikation für die damalige Zeit..... aber Vorsicht vor unbedarft Ausgesprochenem :-).

Und dann gab es natürlich noch für uns bis dato völlig unbekannte Informationen wie z.B. dass Bologna die Heimat der Tortellini ist– mit Hackfleisch gefüllte, kleine ringförmige Teigwaren, die in einer Fleischbrühe (brodo) oder mit Sugo Bolognese (aus Hackfleisch und Tomaten) – meist einfach „ragù“ genannt, serviert werden. In Bologna wird der Sugo nicht nur mit Hackfleisch, sondern zuweilen unter Beigabe ausgedrückter Salsiccia (italienische grobe Rohbratwurst) zubereitet. Einer Legende nach sollen die Tortellini den Nabel der römischen Liebesgöttin Venus nachbilden. Weiter ist die Mortadella eine weitere aus Bologna stammende Spezialität die meist in hauchdünne Scheiben oder in Würfel geschnitten verzehrt wird. Bologna ist außerdem für seine Lasagne und für gelbe Tagliatelle aus Eierpasta berühmt. Letztere sollen einer weiteren Legende nach von einem Koch erfunden worden sein, der für die Hochzeit von Lucrezia Borgia mit Alfonso I. d’Este, dem Herzog von Ferrara, ein Gericht kreieren sollte und sich dabei von den blonden Haaren der Braut inspirieren ließ.

In Erinnerung an die verstorbenen Lehrer und Freunde Allan Tattersall und Patrick Dimayuga wurde an zwei Tagen Aikido, Aikijutsu und Iaido den interessierten Budoka angeboten. Rund 60 Teilnehmer aus Italien standen am Samstag und Sonntag im Dojo, um sich von den Referenten
  • Pietro Paterna - Aikido
  • Wolfgang Wimmer - Aikijutsu und Shingitai Ryu Iaido
  • Detlef Uedelhoven - Iaido
  • Rudi Majcen - Aikido
in den entsprechenden Kampfkünsten unterrichten zu lassen.




Der Tag wurde von allen intensiv genutzt, um Neues zu lernen oder Bekanntes aufzufrischen. Am Abend traf man sich in großer Runde in einem typischen italienischen Ristorante (im übrigen nicht vergleichbar mit Pizzerien oder Ristorante hier in Deutschland). Nach einer Begrüßung durch Pietro wurde nach italienischer Art aufgetischt: Es gab natürlich regionale Produkte, einen leckeren Lambrusco, Schinken, Mortadella, Salami als Vorspeise, es folgten handgemachte Tortellini mit Parmesan, dann gab es gelbe Tagliatelle. Hier erwies sich Alessandro als Quell tiefen Wissens - er studierte 3 Jahre in Bologna die Weinkunst und darf sich Sommelier nennen. Er hatte die Weine ausgesucht und konnte zu jedem davon auch eine Geschichte erzählen. Ebenso erklärte er viele Hintergründe bezüglich Herstellung, Zusammenwirken mit Essen, richtiges Präsentieren usw.



Und als wir dachten, es gibt nichts mehr, kamen lecker gegrillte Fleischspezialitäten mit Beilagen. Und, wie in Italien üblich, kein Essen ohne Dessert und abschließendem Kaffee. Bis kurz vor Mitternacht wurde gegessen, getrunken, viel erzählt und gelacht.

Pünktlich um 9 Uhr begann der zweite und letzte Lehrgangstag. Es wurde auf das Gelernte vom Samstag aufgebaut und Neues geübt. Auch am Sonntag war die Disziplin und Begeisterung der Teilnehmer sehr gut und die Zeit bis 13 Uhr verging schnell. Am Ende traf man sich noch für ein gemeinsames Gruppenbild und es wurde durch Pietro Paterna und seine Gruppe Geschenke an die Referenten überreicht. Er hatte sich etwas ganz Besonderes einfallen lassen: Eine Schale aus venezianischem Glas (Murano), verziert mit einem Baum, der Früchte trägt... Als Symbol für all die Budokünste, die unterrichtet und weiter verbreitet werden und ebenfalls als Zeichen der unter den Referenten und ebenso Teilnehmern entstandenen Freundschaften.




Gegen 13.30 Uhr hieß es dann Abschied nehmen. Wir werden Pietro und seine Gruppe bald wiedersehen – zum Bundeslehrgang im nächsten Jahr im Sportpark Grünheide. Sie haben sich schon intensiv mit der Anfahrt bzw. Flug nach Sachsen beschäftigt.

Die Heimfahrt war für uns lang und anstrengend. Ab dem Brenner setzte starkes Schneetreiben ein, der dann irgendwann in Regen überging – kurz überlegten wir, die Nacht in einem der vielen Gasthäuser zu verbringen. Nach wiederum 7 Stunden erreichten wir aber unser Zuhause.



Dankeschön, Pietro, Danke für die Einladung zum Lehrgang, Danke für die Gastfreundschaft.....



Text/Bild: Bushidokai

 
 

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