1. Myo-Shin Ryu Seminar
29./30.06.13 beim Budokan Saal a.d.D. e.V.


Neue Kampfkunst aus der Taufe gehoben

Wurde in Saal und Meitingen eine neue Kampfkunst begründet? Die Antwort auf diese Frage lautet �Ja� und �Nein�. Was sich hier sehr verwirrend liest, ist das Ergebnis eines langen Schaffensprozesses der Kampfkunstexperten Wolfgang Wimmer aus der Nähe Augsburgs und der beiden Saaler Kampfkunstlehrer Thomas Haumüller und Heinz Perzl. Sie erläutern dazu: �Im Jahre 2012 entstand die Idee, das bei uns praktizierte Shotokan-Karate-Do um den Zusatz Koryu-Do zu ergänzen, nachdem ein Schüler von einem Karatetrainer eines anderen Verbandes gesagt bekommen hatte, er mache gar kein richtiges Shotokan-Karate. Wir trainieren schon sehr lange vor allem Kata und Bunkai sowie die erweiterte Version Oyo und Henka, dazu Waffentechniken und Hebel-, Halte- und Wurftechniken sowie Kyusho-Jitsu. Dies gehört mit zum Training, so wie es der Stilbegründer Gichin Funakoshi in seinen Büchern demonstriert. Die Reduktion des Shotokan auf Wettkampfkarate stellt aus unserer Sicht eine erhebliche änderung und negative Veränderung dieser wunderschönen Kampfkunst dar.

Daher folgte ein logischer erster Schritt, das Shotokan-Karate-Koryo-Do war geboren, die Suche nach den Wurzeln ohne einer pseudomäßigen Rückwärtsgewandtheit. Vielfach werden Traditionen oder wird der Traditionsbegriff im Budo verwendet, um eine Distanz zwischen Lehrer und Schülern zu schaffen, denn wer kann gegen die Aussage �Das war schon immer so!� angehen? Wir wollen einen denkenden und frei entscheidenden Menschen, nicht einen mit traditionalistisch gefärbten Scheuklappen. Nur dieser Budoka kann Traditionen und Rituale und damit den Wert der uns vermachten Budokünste zu schätzen wissen. Meister ist nur der, der Vertrauen in seine Schüler hat und sein Lehrersein als gegenseitiges Nehmen und Geben versteht.�

Während die beiden letzten schon Anfang des Jahres das in Saal gelehrte Karate in Shotokan-Karate-Koryu-Do umbenannten, machte sich Wolfgang Wimmer auf, das ihm von seinem Meister Allan Tattersall übergebene Myo Shin Jiu Jitsu Do zu verbreiten; einen ähnlichen Gedanken wie Thomas Haumüller und Heinz Perzl trug dieser bereits seit ca. 13 Jahren mit sich herum, ohne hier zu einem, für ihn, zufriedenstellendem Resultat zu kommen.



In unzähligen Treffen stellten sich die drei Meister immer wieder die Frage nach dem Sinn der Kampfkünste und wie es ist, wenn man mehrere Budoarten nebeneinander erlernt: Bleibt die einzelne Kampfkunst dann erhalten? Techniken aller praktizierten Kampfkünste verändern die Technik jedes praktizierten Systems: Ein Karateka hebelt anders als ein Aikidoka. Wenn nun ein Karateka auch Aikido übt und eine gewisse technische Fähigkeit erreicht hat, so werden sich in den Kata ausgeführte Hebeltechniken verändern. Ein Iaidoka, der Karate übt, wird eine größere Sicherheit in der Festigkeit der Stellungen erreichen, ein Judoka, welcher Jiu-Jitsu übt, wird die Techniken der Kime-No-Kata anders begreifen als ein reiner Judobegeisterter.




Myo-Shin-Ryu ist eine Stilrichtung, in der der Budoka durch seine ausgeübte Budokunst Verbindungen zu anderen, weiteren Budokünsten in Theorie und Praxis aufzeigt und somit ein tieferes Verständnis für die einzelnen Kampfkünste sowie deren Besonderheiten entwickelt. Deshalb lau-tet die deutsche Entsprechung auch �Schule des hellen, klaren Geistes�.

Am Wochenende zeigten nun die drei Stilbegründer ihre Interpretationen den z. T. weit angereisten Interessierten, sonntags erarbeiteten die Budoka aus verschiedenen Stilen wie dem Aikido, Jiu-Jitsu, Taekwondo, Iaido, Karate und Aikijtsu eigene Ideen und schufen damit die Gelenkstücke zu ihren Künsten. Bereits seit mehreren Monaten praktizieren sie nun diesen Ansatz und nach ihrer Aussage fanden sie in der noch recht kurzen Zeit etliche Querverbindungen. Mit diesen konnten sie am Sonntagnachmittag die Prüfungskommission der Großmeister stark beeindrucken, so dass die Eingangsfrage nun wohl doch mit �Ja� beantwortet werden kann.



Voraussetzung für einen Dangrad ist im Myo Shin Ryu ein bereits abgelegter Dan sowie die Graduierung in mindestens einer anderen Kampfkunst, dann kann der Bewerber seinen aktuellen Dangrad als Myo- Shin-Ryu-Graduierung führen. Den jeweils 1. Dan Myo Shin Ryu bekamen Alfred Schulz, Josef Strobl, Andreas Uhrmacher (alle Budokan Saal), Peter Hauschke (Lützelburg), Robert Schötz (Windberg) und Rene Dießner (Zwickau) überreicht, zum zweiten Dan erhöht wurden Andreas Strehl und Alexander Franke (beide Budokan Saal).

Näheres zur Kampfkunst finden Sie unter www.myo-shin-ryu.eu.


Paralell zu diesem Seminar stellten sich am Ende dieses 5 Budoka ihren Prüfungen. Am Ende dieser sehr anspruchsvollen Prüfungen konnte das Prüfungskomitee gratulieren:

  • Robert Schötz zum Nidan Karate-Do und Shodan Kobudo
  • Alfred Schulz zum Nidan Karate-Do
  • Josef Strobl zum Nidan Karate-Do
  • Thomas Karnatz zum Ikkyu Jiujitsu
  • Julia Schießl zum Sankyu Karate-Do


Herzlichen Glückwunsch

 
Text/Bilder: Budokan Saal a.d.D. e.V.


Zurück zur Übersicht