Besuch von Hanshi Dimayuga
Teil 2 - Herrenchiemsee
06.10.2011




Der zweite Tag des Besuches von Hanshi Dimayuga und seiner Frau Myriam führte uns zum Chiemsee, genauer nach Prien, der Anlegestelle der Fähren zum außergewöhnlichen Schloß Ludwig II.



Die Insel Herrenchiemsee mit ca. 238 ha (auch als Herreninsel bekannt, frühere Bezeichnung Herrenwörth), eine von insgesamt drei Inseln im Chiemsee, bildet mit der Frauen- und der Krautinsel die Gemeinde Chiemsee. Das ganze Jahr über ist ein Fährbetrieb zu der Insel eingerichtet (ausgehend von Gstadt und Prien, aber teilweise auch von anderen Orten rund um den Chiemsee). Wir hatten enormes Glück! Bei strahlendem Sonnenschein bestiegen wir eine der Fähren und setzten zur Insel über.



Über Jahrhunderte bis zur Säkularisation in Bayern war diese Insel im Besitz von Kloster Herrenchiemsee. Sie wurde 1873 von König Ludwig II. - der "Märchenkönig" - für 350.000 Gulden von einem Konsortium Württembergischer Holzspekulanten erworben, worauf er hier 1878 sein Schloss Herrenchiemsee erbaute, eine "Kopie" des Schlosses von Versailles bei Paris. Dieses hatte er vor anläßlich einer Frankreichreise zu besichtigten, aber aufgrund des plötzlichen Todes seines Onkels Otto war er gezwungen zuvor abzureisen. Erst im Jahr 1874 war es ihm möglich, persönlich Versailles zu besichtigten - für das er sich jedoch bereits umfangreich anderweitig informiert hatte.



Durch den Kauf der Insel unterblieb auch die geplante Abholzung dieser. Erst aufgrund der Empörung der Bevölkerung hierüber war Ludwig II seinerzeit auf diese Insel aufmerksam geworden. Die Insel wird derzeit von ca. 300 Personen permanent bewohnt.



Neben dem Schloss befindet sich auf der Insel auch der als Altes Schloss Herrenchiemsee bekannte ehemalige Chorherrenstift (Kloster Herrenchiemsee). Hier tagte vom 10. bis 23. August 1948 der Verfassungskonvent zur Ausarbeitung eines Diskussionsentwurfes des Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland für den Parlamentarischen Rat. Eine eindrucksvolle Ausstellung in den Räumen des Chorherrenstiftes zeugt davon und vermittelt einen Eindruck unter welchen Einflüssen hier die Gründerväter mit den Besatzungsmächten aggierten.

Schloss Herrenchiemsee war das letzte große Bauprojekt Ludwigs II., er bewohnte es nur wenige Tage. Die Arbeiten endeten mit dem Tod des Königs 1886, das Gebäude blieb in weiten Teilen unvollendet.

Ludwig II. ließ die Entwürfe für das Schlossprojekt mehrfach überarbeiten. Der Grundstein wurde am 21. Mai 1878 gelegt. Um die Arbeiten während der Bauphase besichtigen zu können, hielt sich der König in unregelmäßigen Abständen im Alten Schloss Herrenchiemsee auf, dort ließ er sich für diesen Zweck eine kleine Wohnung einrichten. Nach einem ersten Besuch der Insel im Jahr 1875 kehrte er anlässlich der Übergabe des soeben vollendeten Prunkschlafzimmers 1881 zurück und verbrachte von da an bis 1885 jeweils im Herbst eines Jahres einige Tage auf Herrenchiemsee.



Der sogenannte Sonnenkönig Ludwig XIV., der Bauherr des Versailler Schlosses, war das große Idol des bayerischen Königs, so verwundert es nicht, dass im Schloss nahezu ausschließlich Statuen und Gemälde von diesem zu sehen sind. Ludwig II verehrte Ludwig XIV - dieser sei noch ein wirklicher König der regiere und nicht wie er selbst, "Gefangener" einer konstitutionellen Monarchie.

Trotz seiner Größe sollte das Schloß, wie auch Neuschwanstein, lediglich als private Residenz des zurückgezogen lebenden Königs dienen und nicht für offizielle Anlässe oder Empfänge.

Der frühe Tod Ludwigs II. im Sommer 1886 verhinderte, dass er den mit enormem Aufwand errichteten Palast dauerhaft nutzen konnte. Der König bewohnte das Schloss erst nach der Fertigstellung seiner privaten Wohnräume und hielt sich dort nur für wenige Tage vom 7. bis zum 16. September 1885 auf. Diese Besuche des Königs erforderten eine aufwendige Organisation, so mußte z.B. der Spiegelsaal für ihn allabendlich illuminiert werden, eine enorme Anstrengung für seine Diener, die alle Lüster und die darauf befindlichen Kerzen per Hand entzünden mußten.

Schloss Herrenchiemsee war das kostspieligste der Schlösser Ludwigs II., Kostenvoranschläge beliefen sich auf auf 5,7 Millionen Mark, doch wuchsen die Ausgaben bis zum Tode des Königs nahezu auf das Dreifache, nämlich auf 16,6 Millionen Mark an. Damit war Herrenchiemsee teurer als Linderhof und Neuschwanstein zusammen, für die insgesamt rund 6,7 Millionen veranschlagt und schließlich 14,7 Millionen Mark ausgegeben wurden. Allein die Kosten für das Prunkschlafzimmer beliefen sich auf 384.000 Gulden und in den Innenräumen sind mehr als 4,5 Kilogramm Blattgold verarbeitet. Die hohen Schulden brachten den König an den Rand des Bankrotts und führten in Verbindung mit seiner zunehmenden Unlust am Regierungsgeschäft schließlich zu seiner Absetzung 1886. Die oft vertretene Behauptung, Ludwig II. habe mit seinen Schlössern den bayerischen Staatshaushalt ruiniert, ist dagegen unwahr. Faktisch förderten die zahlreichen Aufträge für die königlichen Bauten sogar die bayerische Wirtschaft.

Ludwig II wollte seine Schlösser nie der Öffentlichkeit zugänglich machen und wünschte, dass sie nach seinem Ableben zerstört werden sollten.


Im Rahmen einer Führung konnten wir die fertiggestellten (nicht alle Bereiche und Räume des Schlosses wurden fertiggestellt) besichtigten, wie den versenkbaren Speisetisch, das Treppenhauses, Schlafzimmer, Arbeitszimmer, Empfangszimmer, das Marmorbad, Ankleidezimmer, Mechanikraum usw.

Interessant war auch im Schloss Herrenchiemsee (was wir später auch in Neuschwanstein sahen), dass Ludwig II auch hier mit moderner Technik ausrüsten ließ, wie z.B. die Beheizung der Räume. Das Schloss erhielt eine Warmluftheizung, deren große Kesselanlage sich im Kellergewölbe befindet.

Da wir unsere Eintrittskarten bereits an der Anlegestelle der Fähre gelöst hatten, konnten wir uns auf dem Weg zum Eingang des Schlosses an der Schönheit der Natur erfreuen, mußten aber auch zur angegebenen Zeit am Drehkreuz sein - ist doch die Einlasskontrolle mittlerweile elektronisch geregelt und das Ticket nur zur angegebenen Zeit gültig.

Die geführte Tour führte uns durch das große Treppenhaus im Südflügel (hier handelt sich um eine Nachahmung der Escalier des Ambassadeurs, der einstigen Gesandtentreppe des Versailler Vorbilds), zum Hartschirsaal (entlang der Südseite des Hofs, nach den königlichen Leibwachen benannt), weiter zum ersten und zweiten Vorzimmer (der sogenannte "Ochsenaugensaal", der seinen Namen von zwei großen ovalen Fensteröffnungen in der Gesismzone erhielt).

Auf das zweite Vorzimmer folgt das große Prunkschlafzimmer, welches nach Lage dem berühmten Schlafzimmer des Sonnenkönigs in Versailles nachempfunden ist. Diesem folgte der sogenannte Beratungssaal und, als Höhepunkt, der große Spiegelsaal, der mit seinen Eckräumen, den Salons des Friedens und des Kriegs, aufwartete. Diese Galerie hat eine Gesamtlänge von 75 Metern (hier übertrifft sie sein "Vorbild" in Versailles, welches mit 73 Meter aufwartet). Seinen Namen freilich verdankt dieser Spiegelsaal den 17 großen Spiegeln, welchen die gleiche Anzahl von Rundbogenfenster gegenüberstehen. Dies ermöglicht eine Reflektion des Lichtes, wozu auch die 33 Deckenlüster und 44 Standkandelabern beitragen. Neben diesen befinden sich in dem Raum noch Statuen (aus vergoldeten Gips- und Holzelementen) römischer Götter und Marmorbüsten römischer Kaiser. Weiter noch diverse Gemälde - mit kleineren Abweichungen - Kopien aus Versailles.

Auf die Paradezimmer folgen die Wohnräume des Königs, welche aus drei großen Zimmern, zwei Kabinetten und mehreren Durchgangsräumen besteht. Der Gang beginnt mit dem königlichen Schlafzimmer (von König Ludwig II während seines Aufenthaltes hier tatsächlich gen¨tzten), in welchem auch eine Geheimtreppe zu finden ist, über die der König mit dem darunter liegenden Ankleidezimmer und dem ovalen Marmorbad verbunden war. An das Schlafzimmer reiht sich das Arbeitszimmer, dann das Eßzimmer (mit einem versenkbaren Tisch. Die Bediensteten einen Stock tiefer konnten dort den Tisch decken und anschließend mittels einer Vorrichtung diesen in das Eßzimmer des Königs hochkurbeln. Die Lücke wurde währenddessen verschlossen).

Auf dieses Zimmer folgt das unvollendete Porzellankabinett, welches die drei Wohnräume des Königs ergänzt. Als letzter Raum des Wohntraktes folgt die Kleine Spiegelgalerie am Ende des Nordflügels mit einer Länge von 20 m, die eine Verbindung zum unvollendeten nördlichen Treppenhaus bildet.



Aber nicht nur das Schloß ist interessant, gerade bei dem schönen Wetter kann man sich auch an dem Garten erfreuen!

Erfreulicherweise fand während unseres Besuches auch in den Schloßrämen eine Ausstellung statt "Ludwig II - Götterdämmerung". Diese Aussstellung führt den Besucher durch das Leben des König Ludwig II, von seiner Geburt bis hin zu seinem rätselhaften Tod mit interessanten originalen Ausstellungsstücken des Königs.



Auf der Insel befindet sich aber neben dem Schloß noch der Augustiner-Chorherrenstift mit einer, wie ich finde, eindrucksvollen Ausstellung - "Vom Kloster zum Königsschloss" mit dem barocken Bibliothekssaal, Prunkräume im Fürstenstock (Kaisersaal, Gartenzimmer), Privaträume König Ludwigs II., sowie einer Ausstellung "Der Weg zum Grundgesetz – Verfassungskonvent Herrenchiemsee 1948"

Ein wirklich schöner Tag, den wir hier auf Herrenchiemsee verbringen konnten und durften, mit schönen Eindrücken - oder wie unsere französischen Gäste sagten "le magnifique" - ein Ausspruch, den unsere Gäste noch mehrmals während ihres Aufenthaltes in Bayern von sich gaben.

 Berichte auf "myheimat.de"
-Teil 1 (Kochel-/Walchensee)
-Teil 2 (Herrenchiemsee)
-Teil 3 (Hohenschwangau/Neuschwanstein)
-Teil 4 (Shibu Taikai)
-Teil 5 (Neuburg/Kelheim/Training Budokan Saal e.V.)
-Teil 6 (Nürnberg)
-Teil 7 (Good bye...)

Bild & Text: Germany Branch DNBK


Zurück zur Übersicht

-Teil 1 (Kochel-/Walchensee)
-Teil 2 (Herrenchiemsee)
-Teil 3 (Neuschwanstein)
-Teil 4 (Shibu Taikai)
-Teil 5 (Neuburg/Kelheim, Training Budokan Saal e.V.)
-Teil 6 (Nürnberg)
-Teil 7 (Good bye...)