Iaidolehrgang am 18. Dezember 2010
bei der Jiu Jitsu und Karate Schule Penzberg e.V.


Wollten da einige dem Weihnachtstrubel entrinnen, eine "Ausrede" haben, die guten Vorsätze des letzten Jahres für und in 2010 noch umsetzen oder einfach "nur" sich weiterbilden?

Am 18.12.10 reiste der Erlinger Bushido-Kai Leiter, Shihan Wolfgang Wimmer zur Jiu-Jitsu und Karate Schule Penzberg e.v., welches von Shihan Rudolf Gabert geleitet wird, um dort den Iaidoka auf ihrem Weg in dieser Budokunst noch einen Feinschlief zu geben.

Lehrgangsinhalt des nachmittäglichen Seminares war die japanische Budokunst des Iaido - der Weg des Schwertes (so eine nahezu wortwörtliche übersetzung) bzw., wie Shihan Wimmer immer sagt "Gegenwärtig, entsprechend der Situation reagieren".



In dieser traditionsreichen Budokunst, die als die "Königsdisziplin" in den japanischen Kampf- (Budo-) künsten bezeichnet wird, gibt es verschiedene Stilrichtungen (sog. Ryu). Die vielleicht erste Schwertkampfschule im feudalen Japan, die sich mit der Technik des schnellen Schwertziehens befasste, war die "Tenshin Shoden Katori Shinto Ryu" um das Jahr 1460.

Etwa 1853 wird das Geburtsjahr des Iaido bezeichnet, als Gründer gilt der Samurai Hayashizaki Jinsuke Minamoto No Shigenobu (Shigenobu Ryu). Ihm folgte Tamiya Narimasa, sowie, als 7. Grossmeister Hasegawa Shigenobu "Eishin", welcher Namenspatron des "Muso Jikiden Eishin Ryu Iaido" Stils ist - dieser Stil wird auch von Shihan Wimmer, sowohl im Bushido-Kai in Erlingen, als auch in den, dem Verband asiatischer Kampfkünste e.v. angeschlossenen Dojo gelehrt wird.

Nachdem es aber im Laufe der Jahre eine Vielzahl verschiedener Iaidostile gab, fand sich 1968 eine Kommission von elf Schwerkampfmeistern zusammen. Grund hierfür war auch, das viele Kendoka mit der Praktik ihrer Kampfkunst (die eigentlich ein Sportfechten mit einer Schwertatrappe ist) nicht ganz zufrieden waren und eine Möglichkeit suchten mit einem Schwert zu trainieren. Das Ziel dieser elf Schwerkampfmeister war es nun, ein sogenanntes "Standard-Iai" zu entwickeln. Dies war die Geburtsstunde des heute bekannten "Seitei Iai", welches damals aus insgesamt sieben Kata bestand. Diese Kommission kam überein, dass Iai aus den Punkten
  • Horizontale Schnitte, die direkt aus dem Ziehen des Schwertes geführt werden
  • Senkrechte Schnitte, die den (imaginären) Gegner endgültig erledigen
  • Schräge Schnitte von links und rechts
  • Schnitte mit unmittelbar folgenden Schnitten auf der gleichen Linie in entgegengesetzter Richtung
  • Stiche
bestehen soll.

Die Entscheidung dieser Kommission erbrachte, dass sieben Formen ausreichten seien, diese Punkte zu vermitteln, und man einigte sich darauf, dass drei aus Seiza, eine aus Tatehiza und drei aus dem Stand beginnen sollten. Es handelte sich nicht um "Neukreationen" von Formen, sondern um Formen aus klassischen Ryu. Da aber keine Koryu bevorzugt oder benachteiligt werden sollte, sollten die neuen Formen nicht unverändert übernommen werden. Eine eigens dazu beauftragte Gruppe legte den Ablauf dieser Formen fest (es handelte sich hier um die Formen 1-7.... Mae, Ushiro, Ukenagashi, Tsuke Ate, Kesa Giri, Morote Tsuki, Sanpo Giri). Auch An- und Abgrüssen des Schwertes folgen nicht einer Koryu, sondern der Etikette der Muso Shinden-Ryu beim An- und der der Muso Jikiden Eishin Ryu beim Abgrüssen.

Erst 1980 fügte eine neu eingesetzte Kommission noch drei weitere Kata (alle aus Tachiai) hinzu und im Jahr 2000 kamen mit Sougiri und Nukiuchi noch zwei Formen hinzu, so dass die derzeitige Anzahl dieser "Seitei Formen" bei zwölf liegt.



Warum dies, so fragt man sich? Die verschiedenen Stilrichtungen machten es nahezu unmöglich, einheitliche Wettkampfregeln und Prüfungsrichtlinien aufzustellen. Diese Hürde wurde mit der Schaffung des Seitei Iai (was, nebenbei gesagt, KEIN Iaidostil ist!) genommen und beseitigt.

Als Veranschaulichung: bei Iaido Wettkämpfen "kämpfen" die Teilnehmer nicht (Körperlich) gegeneinander, sondern es betreten zwei Iaidoka ihre Flächen und führen, nach Ansage durch das Komitee, eine Kata vor. Das Komitee mit ihren Wettkampfrichtern entscheidet, welcher der beiden Iaidoka eine "bessere" Kata vorgeführt hat.

Sind die Bewegungen und Abläufe in einer Form kurz (es werden nicht unzählig viele Schnitte gemacht, sondern max. ca. 3-4), so werden doch manche Schwert- und Körperbewegungen einzeln, überlagernd oder gemeinsam gemacht. Wert wird auf exakte Abläufe und Bewegungen gelegt, ebenso wie auf die Bewusstseinshaltung des Praktizierenden und dessen Ausdruckskraft - nicht zuletzt all dies macht Iaido zu einer besonderen und nicht einfachen Budokunst.

Aus diesem Grund finden auch normalerweise nur Personen zum Iaido, die bereits Erfahrung(en) in anderen Budokünsten haben.

....und gerade darum ging es den Iaidoka in Penzberg. In Detailtreue wurden die Seitei Formen von den Teilnehmern unter Anleitung des Erlinger Djojoleiters trainiert. Dieser nahm sich die Zeit jede Form in seine Einzelbestandteile zu zerlegen und einzelne Bewegungen herauszustellen. Daneben hatte er mit praktischen Tipps für jeden der Teilnehmer eine Hilfe, die diesen auf ihrem Weg in dieser Budokunst half.

Ein rundum gelungener "Weihnachtslehrgang", der später gebührend in einem griechischen Lokal beschlossen wurde.
 
Text & Bilder: Bushido-Kai


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